Einen Samen säen für Hoffnung und Frieden
„Brot und Salz unter uns“:
Den Shabbat feiern in einem Arabisch-Jüdischen Kindergarten
Ola Adeem/Rachel Gottlieb

Einen hohen jüdischen Feiertag in einem Arabisch-Jüdischen Waldorfkindergarten zu feiern, stellt uns vor eine schwierige Entscheidungsfindung. In traditionellen jüdischen Haushalten ( und Kindergärten) ist Freitag der Tag, an dem der jüdische Ruhetag (Sabbat) vorbereitet wird.
In der muslimisch-arabischen Kultur werden freitags in der Moschee Gebete gesprochen. Alle geschäftlichen Tätigkeiten werden währenddessen unterbrochen, doch nach den Gebeten steht es jedem frei in den Alltag zurückzukehren und alle Aktivitäten wieder aufzunehmen. Die Muslim glauben, dass Adam der erste Mensch und Prophet auf Erden war. Er kam an einem Freitag aus dem Paradies auf die Erde und deshalb wird auch „Yum Elkiama“ (das Ende dieser Welt) sich an einem Freitag erfüllen.
Unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Überzeugungen und Lebensstile überlegten wir, den Kindergarten auch an Freitagen zu öffnen. Es wäre eine einfache Lösung gewesen, darauf zu verzichten, denn viele jüdische Familien nehmen sich an diesem Tag frei. Wir aber beschlossen, der Kindergarten bleibt jeden Freitag geöffnet.
Allerdings, die komplizierte Frage blieb uns damit erhalten : Wie feiern wir diesen Tag angemessen für jüdische und muslimische Kinder und bewahren dabei die eigene Atmosphäre, ohne einerseits eine zu starke Gewichtung auf die jüdischen Bräuche und Lieder zu legen und andererseits sie nicht zu bedeutungslos werden zu lassen?
Die Lehrer fanden viele jüdische Gebete und Lieder, aber nichts Adäquates auf Arabisch. So beschlossen sie, an traditionelle jüdische Lieder wie „Lecha dodi“ (Willkommen Sabbatkönigin) und Bräuche (das Anzünden der Sabbatkerzen und das Challabacken) anzuknüpfen und ein Gebet auf Arabisch zu verfassen, das alle Kinder aufsagen können, sowie ein Lied über das Challabacken zu komponieren, da dies die wichtigste Tätigkeit am Freitagmorgen im Kindergarten ist.
Im Arabisch-Jüdischen Kindergarten Ein Bustan in Hilf, Israel, bilden die Kinder am Sabbatmorgen einen Kreis um den Shabbat miteinander Willkommen zu heißen. Eine Kerze wird angezündet und sie singen:
„Mit Gottes Hilfe werden wir in Frieden leben.
Dies Licht ist klein, doch das Licht in meinem Herzen ist groß.
Mit Gottes Hilfe werden wir in Frieden Leben.“
Ola ( die arabische Kindergärtnerin) spricht:
„Wir strecken unsere Hände hin zum Kerzenlicht und füllen unsere Herzen mit Licht und Liebe. Diese Liebe, Partnerschaft und Freundschaft weckt in uns ein neues Erleben, dem wir mit Freude begegnen. Deshalb arbeiten wir beide, Araber und Juden, zusammen, kneten den Teig, formen ihn und schieben ihn in den Ofen...“
Ola hat ein besonderes Lied auf Arabisch komponiert. Dieses Lied wird von allen Kindern im Kindergarten gesungen:
Wir danken Irena Wachendorff für die Übersetzungen
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Raif El Juma
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(Freitagsbrot) |
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Da die rhythmischen Wiederholungen und die Reime in der Übersetzung verloren gehen, folgt eine Strophe im Original ( in Buchstabenübertragung):
„Badaii el halween – ajanto ajanto
Badaii el halween – rashito b’al samsam
Batnur el hami – chabazto chbazto
Hada raif el juma
Madwar umekamar”
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Übersetzung:
“Mit meinen beiden guten Händen
knetete ich, knetete ich.
Mit meinen beiden guten Händen
streute ich darauf den Sesam.
Ich buk und buk es
in einem guten, heißen Ofen.
Dies ist des Freitag’s süßes Brot,
rund und gebogen wie der Mond.
Stück für Stück
breche ich es, brech ich es
um es
in Ein Bustan
zu verteilen.
Komm,
koste es, koste es
wie gut es schmeckt,
wie gut es tut
das Brot miteinander
zu teilen.
Nun haben wir
Brot und Salz unter uns.
Nun haben wir
Frieden zwischen uns.
Unsere Großmutter Sara möge uns freundlich segnen.
Unsere Großmutter Hagar möge uns freundlich segnen.
An diesem Freitag
und an allen anderen Tagen.
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· Challabrot. Das traditionelle Shabbatbrot.
· Raif, ein kleines Brot oder Brötchen
· „Brot und Salz“ unter uns ist eine Umschreibung im Arabischen für Freundschaft und Frieden.
· Sara und Hagar waren die zwei Frauen Abrahams. Dem traditionellen Glauben nach gründete Sara’s Sohn Isaac das jüdische Volk und Hagar’s Sohn Ismael das arabische Volk.
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