Ein Bustan: Arab Jewish Waldorf Kindergarten - Ein Lebenslauf wie im Zauber

Einen Samen säen für Hoffnung und Frieden

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Ein Lebenslauf wie im Zauber: Ein jüdischer Soldat , dessen Muttersprache Arabisch ist, und der sich in einen Friedensaktivisten und Seifenhersteller verwandelt.

Ein Interview mit Tsvika Maato 12/4/10
Von Rachel Gottlieb
Als Tsvika 10 Jahre alt war, sah er den Film „Operation Thunderbolt“, hier in Israel bekannt unter „Mivtsa Yonatan“.
Tsvika’s Vorstellungswelt war entflammt: „Von diesem Moment an war ich dazu auersehen ein heldenhafter Soldat zu werden“, bemerkt er mit einem leicht zynischen Lächeln. „ Diese Überzeugung verliess mich nicht mehr und schließlich entschied ich mich dazu, ab der 8. Klasse ein Militärinternat zu besuchen, in dem ich die folgenden 6 Jahre meines Lebens blieb, eingeschlossen die 2 Jahre, die ich nach Beendigung meines high-school-Abschlusses bei der Technological Reserve verbrachte.“
Tsvika Maate ist das jüngste von 6 Brüdern und Schwestern irakischer Eltern, die 1949, kurz nach der Gründung des Staates Israels, nach Israel eingewandert waren. „Meine Eltern gaben mir den Namen Tsalah in Erinnerung an meinen irakischen Grossonkel“. Auf die Frage, ob es nicht ungewöhnlich sei einen arabischen Vornamen zu tragen, bemerkt Tsvika:“ Ich bin mir bewußt, dass dies ein ungewöhnlicher Name für einen jüdischen Jungen ist, aber für meine Eltern war es ganz natürlich mir einen Namen zu geben, der aus ihrem Lebensumfeld stammt. Ihre Muttersprache und Kultur war Arabisch. Als meine Mutter mich als Baby zum Tipat Halav (Neugeborenenklinik) brachte, haben die Kinderschwestern meine Mutter darüber in Kenntnis gesetzt, dass es völlig unpassend sei, ein jüdisches Kind Tsalah zu nennen und so wählten meine Eltern die Verkürzung Tsvi für Tsvika. Meine Eltern akzeptierten den Druck die hebräische Sprache anwenden zu müssen, und so sprachen sie mit uns Kindern ausnahmslos Ivrit. Sie griffen nur auf das Arabische zurück, wenn sie alleine miteinander sprachen. Also, abgesehen davon, dass Arabisch meine Muttersprache ist, oder sein sollte, bin ich mit dieser Sprache nicht aufgewachsen. Erst als ich als Teenager Fragen nach meiner Abstammung stellte, wurde mir gewahr, dass mein wirklicher Name Tsalah lautet.“
Tsvikas entspannte Art, seine sanfte Stimme, sein freundliches Lächeln zu den schwarzen Locken, bequem gekleidet, einen indischen Schal lässig um den Hals geschlungen, entspricht nicht dem Bild eines typischen Militaristen. „Ich bin nicht dazu erzogen worden, zu hassen. Das Studium an der Militärakademie diente der Stärkung meiner Persönlichkeit und erzog mich zu Vaterlandsliebe und Nächstenliebe. Es gab Lehrer dort, die mir Vorbild waren und die ich bewunderte.“ Entsprechend seiner Ausbildung wurde Tsvika zur Marine eingezogen, diente dort 6 Jahre und es erfüllte sich sein Traum, ein Soldat der israelischen Armee zu sein.
Nach 12 Jahren in paramilitärischen und militärischen Strukturen, schien alles seinen Gang zu nehmen. Doch gegen Ende seines Armeedienstes offenbarten sich Risse. Tvsika hinterfragte seine eigene Identität und stellte sich tiefergehende, spirituelle Fragen. „Während all der Jahre im Internat und während meines Dienstes bei der Armee wurde ich immer wieder von Arabern auf Grund meines Aussehens für einen Araber gehalten und auf Arabisch angesprochen, obwohl ich eine Uniform trug und gar kein Arabisch konnte. Jedesmal, wenn das geschah, war ich auf’s Neue überrascht und bereute, dass ich keine Antwort geben konnte. Ich fühlte mich eingeschränkt. Ich fühlte immer eine starke Verbindung zu arabischen Menschen, und wenn ein Araber mit mir Kontakt aufnahm, spürte ich, dass es auf der zwischenmenschlichen Ebene sehr leicht für mich war, Anschluss zu finden trotz meiner mangelnden Fähigkeit, Arabisch zu sprechen. Es schien mir ein tief in mir innewohnender Anteil meiner Identität genommen worden zu sein.“
Nach seiner Entlassung aus der Armee suchte Tsvika Arbeit und war in verschiedenen Jobs tätig. Einer davon war, mit Verkäufern zu reisen. So kam es dazu, dass er viele Schreinerwerkstätten und Kunstschmieden besuchte, die überwiegend von Arabern geführt werden. „Immer wenn ich diese Geschäfte betrat, verspürte ich augenblicklich eine innige Verbindung. Ich spürte das Band zwischen den Handwerkern und mir und genoss es, mit ihnen zusammen zu sein.“
Eines Tages ergab sich unerwartet etwas sehr Bedeutungsvolles, etwas, das seine Lebensanschauung verändern sollte:“In einer dieser Schreinerwerkstätten kam ein arabischer Arbeiter auf mich zu und fragte mich:“ Wieso kommst du mit einer Pistole hier herein?“ Augenblicklich fühlte ich mich unwohl und ich beschloss, ab sofort keine Waffe mehr zu tragen. Ich fühlte mich nicht in Gefahr, und ich hatte auch gar nicht vor, sie zu benutzten. Zum ersten mal wurde mir bewußt, ich kam als einer, der etwas Anbieten möchte, aber der Eindruck, den ich vermittelte, war der eines Menschen, der sich vor den Anderen fürchtet, oder der davon ausgeht, die anderen Menschen unter Kontrolle halten zu müssen. Diese Botschaft wollte ich gar nicht aussenden. Ich „entwaffnete“ mich und gab die Pistole der Polizei zurück.“
Tsvikas militärische Laufbahn war noch nicht beendet. Er wurde überzeugt, noch für ein weiteres Jahr zurück in die Armee zu gehen. Dort bot man ihm verschiedene leitende Positionen an, aber es fehlte ihm an innerer Überzeugung. „Ich fühlte mich nicht mehr frei. Ich erkannte mehr und mehr Dinge, von denen ich fühlte, dass sie nicht richtig waren und ich wollte kein Teil davon sein. Ich verliess die Armee.“ Später rang Tsvika noch mit dem Angebot in der Reserve zu dienen (Miluim). „Ich bin gegangen, aber ich wollte versuchen, auch dort wieder herauszukommen. 2003 tat ich zum letzten mal Dienst in der Reserve, in Gaza. Ich war nicht mehr länger stolz darauf die Uniform zu tragen, und ich identifizierte mich auch nicht mehr mit dem Militär. Dies war der letzte Dienst. Es hat mich viel Zeit gekostet meine Gefühle auf diesen Punkt zu bringen“
Tsvika hielt Ausschau nach neuen Wegen, die er beschreiten konnte. Er begann im pädagogischen Bereich zu arbeiten. Zuerst in einem Internat für Sonderschüler, dann an regulären Schulen. In diesen Jahren traf er zum ersten mal auf die Waldorf Pädagogik und verspürte den Wunsch, sich tiefergehend mit ihr zu beschäftigen. So schrieb er sich für ein Seminar in Harduf ein. Außerdem ging er mit Frau und Kindern nach „Beit Elisha“, einer antroposophische Gemeinschaft, die die Entwicklung körperlich und geistig behinderte Erwachsener fördert und unterstützt, um dort als Lebensberater tätig zu sein.
Wie wurde nun aus Tsvika ein Seifenhersteller? Und wie kam es dazu, dass ein ehemaliger waffentragender Soldat zu der Entscheidung gelangte, eine Verbindung mit dem arabisch-jüdischen Ein Bustan einzugehen? „Ich habe es immer geliebt, neue Dinge auszuprobieren. Eines davon war die Herstellung von Seife. Ich informierte mich darüber, was Seife alles enthält und begann zu experimentieren. Das war sehr aufregend, als ich bemerkte, es funktioniert! So machte ich mich vertraut mit der Aromatherapie und fing an, die Bedeutung der verschiedenen Düfte zu begreifen. Nach vielen Versuchen spürte ich, dass die Seife, die ich herstellte, ein gutes Produkt war, an das ich glauben konnte. Um diese Zeit traf ich auf Amir (Shlomian, der Leiter von Ein Bustan) und durch ihn fand ich den Weg zu Maayan Babustan und dem Kindergarten Ein Bustan.“
Zuerst war sich Tsvika im Zweifel darüber, wie er die Arbeit von Ein Bustan werten sollte: „Ich fragte mich, ist es richtig, unseren Kindern eine Verantwortung für etwas zu übertragen, was wir Erwachsenen nicht leisten.“ Mit diesem Kritikpunkt im Hinterkopf besuchte er die Meetings „Waldorf für 2 Völker“, eine Initiative von Maayan Babustan, die Lehrer zusammenführt, die sich für die Möglichkeit interessieren, einen bilingualen Zweig an einer arabisch-jüdischen Schule einzuführen. „Aus diesen Treffen erwuchsen mir zwei Einsichten. Erstens: Ich wollte Arabisch lernen, meine Muttersprache, und zweitens, verstand ich, wie wichtig es für die arabische Seite ist, dass ich als Jude ihre Sprache wahrnehme und spreche. Ich denke, dies ist der allererste Schritt, den wir gehen müssen. So begann ich, mich mit Amal, meinen arabischen Partner aus Hilf, zu treffen und zusammen stellten wir einen Kurs auf die Beine um Erwachsenen die arabische Sprache beizubringen.“
Amir unterbreitet Tsvika den Vorschlag, sein gesammeltes Wissen über Seifenherstellung in ein neugeplantes Projekt- income generating project for Ein Bustan- einzubringen und es zu leiten. „Ich war sehr glücklich über die Idee Seife zu produzieren und zu verkaufen, weil dieses Projekt wechselseitig gutes tut : Wenn man diese Seife herstellt und vertreibt, eröffnet sich eine Einkommensquelle und durch diese kann man Maayan Babustan und den Gedanken, der dahinter steht, unterstützen. Im Moment stehen wir am Anfang, doch die Seifen sind von allen, die sie benutzt haben, mit großer Begeisterung aufgenommen worden. Die Nachfrage steigt und wir hoffen zu expandieren.“
Tsvika geht in die Werkstatt in der die Seifen in verschiedenen Reifegraden lagern. Das Grundmaterial setzt sich aus Palmbutter, Olivenöl und Kokosfett zusammen. Tsvika gibt noch Sheabutter, eine spezielle Erde, Mineralien, kohlensaures Natron und Wasser dazu. Kurz bevor die Seife aushärtet, fügt er natürliche Essenzen von Lavendel, Zitronengras und Rose bei. Auf künstliche Zusätze wird vollkommen verzichtet. Die cremig geschlagene Substanz wird in Silikonformen gegossen, in denen sie ewas über einen Monat lang aushärtet. Dann ist die Seife fertig und kann verpackt werden. „Ich hatte die Idee, massgeschneiderte Seifen, ganz auf den individuellen Gebrauch und die Bedürfnisse einer Person ausgerichtet, herzustellen. Alle meine besten Absichten stecken in jeder Produktion, die ich beginne, vergleichbar mit einem meditativen Prozess. Deshalb ist es für mich auch so wichtig den Charakter der Handarbeit zu bewahren und nicht zu kommerziell und unpersönlich zu produzieren.“
Als wir dabei sind unser Interview zu beschliessen, denkt Tsvika über die Suche nach seiner Identität und über das Herstellen von Seife nach:“ Wenn ich zurückschaue durch welche Entwicklungen ich gegangen bin, ist schon eine Richtung zur Erfüllung zu bemerken. Ich sehe sie darin, den Samen zu säen dafür, dass sich Menschen miteinander verbinden durch und im Aufeinandertreffen ihrer verschiedenen Kulturen. Ich stehe nun offen zu der Möglichkeit einer bi-lingualen Erziehung und das persönliche Aufeinandertreffen eines Menschen auf den anderen. Bei der Herstellung von Seife gibt es einen magischen, fast rätselhaften Prozess der darin besteht, dass sich Materialien mischen, die alle sehr unterschiedlich sind, aber zusammengebracht kreieren sie daraus etwas Praktisches und Wunderbares und dazu auch noch Reinigendes. Ich hoffe, in unseren Begegnungen von Mensch zu Mensch und Kultur zur Kultur steuern wir die gleiche magische Verwandlung an.“ 
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