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Ein Bustan Update, August 2010
Wir grüßen herzlich all unsere Unterstützer und unsere neuen Freundinnen und Freunde, die kürzlich zu uns gestoßen sind!
Ende Juni 2010 haben wir das fünfte Jahr gemeinsamer Aktivität seit der Gründung des arabisch-jüdischen Kindergartens “Ein Bustan”. abgeschlossen. Das mag wie eine bedeutsame Zeitspanne erscheinen, in Wirklichkeit aber steckt unser Projekt noch immer in den Kinderschuhen. Wir haben uns ein großes Ziel gesteckt: wir wollen eine hochqualifizierte Bildungseinrichtung, zweisprachig, die ausgerichtet ist nach der Waldorf-Methode und doch gleichermaßen beiden Kulturen und Sprachen unserer Region gerecht wird: der arabischen und hebräischen.
Der Sommer ist heiß hier in Israel, ganz wörtlich und auch im übertragenen Sinne, denn an den Grenzen Israels, im Norden, wie auch im Süden, macht sich Feindseligkeit breit, die Spannungen innerhalb des Landes wachsen an und der Rassismus zeigt seine häßliche Fratze. Aber hier in Ein Bustan hält uns das nicht davon, ab, Vorbereitungen zu treffen für das neue Schuljahr, das im September beginnt.
Ein Bustan wächst!
In diesem Sommer wurden Mauern errichtet in Ein Bustan. Und während unsere Bauten wuchsen, verschwanden langsam die unsichtbaren Mauern der Furcht und des Argwohns in unseren Köpfen. Wir mußten unsere Gebäude vergrößern und erneuern, um der wachsenden Anzahl der Kinder gerecht zu werden: beschlossen wir das letzte Kindergartenjahr mit 25 Kindern, so können wir für das nächste, sechste Jahr die stolze Zahl von über 35 Kindern vermelden! Einige Familien mußten wir sogar auf die Warteliste setzen. In diesem August haben Lehrerinnen und Lehrer, Eltern, Kinder und Freiwillige zusammen den Sandkasten erneuert, den Garten gejätet, gestrichen, gepflastert, Unmengen an Bauschutt beseitigt und unser Gebäude bereit gemacht für das kommende Schuljahr. http://www.ein-bustan.org/11308/new-construction-in-ein-bustan-1
Wir möchten diese Gelegenheit nutzen und von Herzen kommenden Dank aussprechen an all‘ die Spenderinnen und Spender, die uns diese Renovierungsarbeiten mit ihrer Großzügigkeit erst möglich gemacht haben und an die eifrigen Arbeiterinnen und Arbeiter und Freiwilligen und wir wollen daran erinnern, daß unser Projekt auch das Eure ist – dank der Kraft Eurer Liebe und Eurer Unterstützung machen wir Fortschritte.
Vor einigen Monaten ist die Gemeinschaft von Ein Bustan gewachsen, in besonderer Weise und nicht dadurch, daß neue Familien zu uns gestoßen wären. Was also ist geschehen? Jüngere Schwestern und Brüder unserer Kinder kamen nach und nach in unseren Kindergarten. Daraus erwuchs bald die Notwendigkeit einer Krabbelgruppe für unsere Jüngsten. Eine unserer Mütter wird diese zweisprachige Krabbelgruppe für arabische und jüdische Kleinkinder leiten. Ihr Name ist Amal Idat und sie hat eine pädagogische Ausbildung. Wir wünschen ihr und der neuen Krabbelgruppe einen gelungenen Start, Wachstum und Freude.
Die Anerkennung unserer Verschiedenartigkeit und die Suche nach einer gemeinsamen Basis
Der Blick zurück auf die vergangenen Monate gibt uns Zuversicht auf eine hoffnungsvolle Zukunft. Unsere kleine Insel des Friedens und des gesunden Menschenverstandes und der Freundschaft zwischen Arabern und Juden wächst, denn wir fühlen, daß wir lernen MÜSSEN, miteinander zu leben und die Sprache des und der Anderen zu verstehen und zu sprechen und ihre Kultur und Religion anzuerkennen, wenn wir überhaupt leben wollen.
Eine der vielen Schwierigkeiten, die es in unserem zweisprachigen und multikulturellen Kindergarten zu überwinden gilt, ist die Frage, wie wir die zahlreichenjüdischen und muslimischen Feiertage begehen können. Feierten wir alle, feierten wir immer. Amir schreibt davon, wie wir uns mit dieser Frage auseinandersetzen – in seinem Artikel
“Celebrating The Holidays together in a Joint Arab-Jewish Kindergarten”
Wir nehmen jede Religion in und mit ihren Besonderheiten an und suchen doch ununterbrochen nach einer gemeinsamen Basis, wir suchen den goldenen Weg, ihrer Schönheit und Beschaffenheit gerecht zu werden und unser gemeinsames Menschsein anzuerkennen. Als wir überlegten, zu welchem Fest wir die Eltern zur Teilnahme einladen wollten, beschlossen wir, einen muslimischen und einen jüdischen Feiertag zu wählen. In diesem Jahr feierten wir Eid El Fitr, den Tag, der das Ende der Ramadan-Fastenzeit anzeigt, mit einem traditionellen Mahl im Kindergarten. Der jüdische Feiertag, den wir aussuchten, war Tu Bishvat, den wir draußen unter Bäumen begingen. Ihr könnt mehr darüber erfahren unter.
Ein weiterer “Feiertag”, den wir gemeinsam feierten und der unter einem universellen Motto stand, war der Muttertag, der zufällig mit dem Beginn des Frühlings übereinstimmte. Am 21. März feierten sowohl arabische, als auch jüdische Familien ihren Muttertag und den Frühlingsbeginn in Ein Bustan mit einem Abend mit Tanz, Essen, und arabischen und hebräischen Liedern. Die Kinder führten ein kleines Theaterstück über das Erwachen des Frühlings auf und jedes Kind gab seiner Familie eine Blume und ein Glas selbstgemachte Marmelade.
“Sprachräume”: eine neuartige Annäherung an zweisprachiges Lernen:

Über das Jahr hatten wir eine wöchentliche Lehrerfortbildung Dr. Aura Mor von der Universität Haifa, der ein Experte ist auf dem Gebiet der zweisprachigen Erziehung. Mit Dr. Mors Unterstützung haben wir unseren Lehrplan zur Zweisprachigkeit ausgearbeitet und viele Fragen, die sich stellten, geklärt. Unsere Lehrer setzten bewußt beide Sprachen zu gleichen Teilen ein und beobachteten dabei den Grad des Sprachverständnisses und der Sprachentwicklung bei den Kindern. Eine der Methoden, die wir anwandten, ist die der „Sprachräume“: für einen festgesetzten Zeitraum verlegten wir uns auf einen tatsächlichen Ort des Kindergartens und bestimmten Worte, die an diesem Ort genutzt werden sollten. Wir fanden heraus, daß diese Methode sehr wirkungsvoll ist, aber auch eine große Herausforderung in ihrer Anwendung. Mehr unter http://www.livecity.co.il/11308/bi-lingual-learning
Das Erlernen der arabischen Sprache wurde unterstützt durch die Anwesenheit zweier arabisch sprechenden jungen Beduininnen, die ihren Zivildienst als Praktikantinnen im Kindergarten leisteten. Im nächsten Jahr werden wir zwei neue Praktikanten haben.
In einer Zeit, in der die Feindseligkeiten in Israel und im ganzen mittleren Osten anwachsen, fragen wir uns häufig, ob wir allein sind mit unserer Vision. Amir Shlomian, der Leiter von Ein Bustan, schätzte sich glücklich, am 24. Juni 2010 nach Amman in Jordanien zu reisen, um dort an einer Konferenz der “United Religions Initiative” im mittleren Osten und Nordafrika als Abgesandter von Salaam Shalom teilzunehmen, einem Unterstützer unseres Projektes. URI hat sich der täglichen und dauerhaften interreligiösen Zusammenarbeit verschrieben, um religiös motivierte Gewalttaten zu beenden und eine Kultur des Friedens, der Gerechtigkeit und der Gesundung der Erde und aller Lebewesen zu schaffen. Trotz und im Angesicht der politischen Atmosphäre im Zuge der Aufbringung der Gaza Flottille, die die Menschen auf allen Seiten spaltete, erlebte Amir eine Zeit heilender Zuversicht mit den anderen Teilnehmern der Konferenz, mit denen er sprach, denen er zuhörte und mit denen er Musik machte. Amir beschreibt seine Erlebnisse hier:
Wir haben das Ende des Schuljahres mit einem großen Fest gefeiert. Die Eltern haben ein kurzes, lustiges Theaterstück auf arabisch und hebräisch aufgeführt und die Kinder haben getanzt und gesungen. Die Lehrerinnen und Lehrer haben selbstgemachte Handpuppen an die Kinder verteilt. Mehr dazu und Bilder auf unserer Website:
Vorbereitung auf die Zukunft: eine gemeinsame zweisprachige Schule:
Im Oktober 2009 begannen wir mit regelmäßigen, monatlichen Treffen, die sich über das ganze akademische Jahr 2009/2010 erstreckten. Der Sinn dieser Treffen war es, eine Grundlage zu schaffen für die Einrichtung einer zweisprachigen Schule in unserer Region. Diese Treffen wurden begleitet von Waldorferziehern und Experten für Zweisprachigkeit, mit deren Hilfe wir aufkommende Fragen in weltanschaulicher, pädagogischer und praktischer Hinsicht bewältigen konnten. Wir haben untersucht, inwieweit Waldorferziehung eine Rolle hinsichtlich sozialer Gerechtigkeit spielt und darin, eine Brücke zu bauen zwischen den beiden Völkern, die in Israel leben.
Wir haben verschiedene Arbeitsgruppen gebildet, wobei sich jede Gruppe einem spezifischen Thema widmete, beginnend mit pädagogischen Aspekten, über Fragen zur Schulung zukünftiger Waldorfpädagogen, die befähigt werden sollen, Kinder aus zwei unterschiedlichen Kulturen zu erziehen, bis hin zu praktischen Überlegungen, wo diese neue Schule entstehen soll, zu Organisatorischem und Finanziellem. Dieser Kreis wird sich weiterhin treffen und wir planen die Eröffnung unserer ersten Klasse für den Herbst 2011.
Hier dazu einige Worte von Amir:
“ Im vergangenen Jahr habe ich mich oft mit der Frage beschäftigt, was wohl als nächstes kommt und wie es weitergehen soll. Je tiefer wir in unsere Arbeit eindringen, desto offensichtlicher wird, daß wir einen erfolgversprechenden Schlüssel gefunden haben, unseren Kindern die Erziehung angedeihen zu lassen, die sie verdienen und zur Gestaltung einer besseren Zukunft. Eine Erziehung, die die Anerkennung des Anderen vermittelt und Einfühlsamkeit, unabhängig davon, wie andersartig oder wie fremd, ist die Richtung, in die wir alle gehen sollten. Ich glaube, daß der Weg in die Freiheit und zu geistigem Wachstum durch das Herz meiner Mitmenschen führt, entlang dem ehrlichen Zuhören und dem Erkennen seiner Nöte, seines Schmerzes und seiner Bedürfnisse und durch bedingungslose Liebe und Leidenschaftlichkeit. Wie können wir unser Projekt erweitern, ohne dabei an Qualität einzubüßen? Wie können wir es mehr Kindern, auch an anderen Orten, ermöglichen, zu bekommen, was sie verdienen – Schulen und Kindergärten wie Ein Bustan. Ich lege mein Vertrauen in den Weg, der die Antworten in sich birgt.
Vielen Dank an unsere Lehrerinnen und Lehrer, Ibtisam, Yael, Meirav, Amna und Gidi, die mit ruheloser Hingabe über das Schuljahr für uns gearbeitet haben. Ein herzliches Willkommen an Yoav, einem neuen Lehrer für unsere ältere Gruppe. Ein Dankeschön an all die Eltern, die in diesem Jahr bei uns waren, und ein Willkommen an die neuen Familien! Und zu guter Letzt noch von ganzem Herzen unseren Dank an unsere Freund und Unterstützer: es ist Eure Hilfe, die unser Projekt ermöglicht.
Grüße zum Ramadan: Ramadan Kareem und Rosh Hashana: L’ shana Tova Umetuka: Habt ein schönes und glückliches neues Jahr!
In Liebe,
Amir Shlomian und Rachel Gottlieb, für die Lehrerinnen und Lehrer, Familien und Kinder von Ein Bustan
Es gibt kein heiligeres Vertrauen als das, das die Welt uns mit unseren Kindern gibt. Es gibt keine wichtigere Pflicht als die, dafür zu sorgen, daß ihre Rechte geachtet werden. Es gibt keine heiligere Pflicht als die, daß ihr Wohlsein beschützt wird. Es gibt keine heiligere Pflicht als die, dafür Sorge zu tragen, daß ihre Leben frei sind von Angst und Not und dafür, daß sie in Frieden aufwachsen.
Kofi Annan
Facebook: http://groups.to/einbustan/
Eine Spende an Maayan Babustan bedeutet die Unterstützung für eine Zukunft in wahrer Freundschaft und wird dankbar angenommen:
Sichere Online-Spende: 
Freunde der Erziehungskunst, Weinmeisterstrasse 16, D-10178 Berlin,Germany
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